Dachdecker auf einem Flachdach mit neu verschweißter Bitumenabdichtung

Schneelast auf dem Flachdach: wann es kritisch wird und wer räumen darf

Von Blerim Rama, Dachdeckermeister · RAMA Abdichtungstechnik, Frankfurt am Main · Stand: September 2026

Kurz zusammengefasst Für die Schneelast ist nicht die Höhe entscheidend, sondern das Gewicht: Pulverschnee wiegt rund 30 bis 100 kg/m³, nasser Schnee ein Mehrfaches davon. Bemessen wird nach Eurocode 1 (DIN EN 1991-1-3) über Schneelastzone und Geländehöhe; in Zone 2 sind es 0,85 kN/m² charakteristische Schneelast. Geräumt werden sollte ein Dach, wenn die rechnerisch angesetzte Schneelast erreicht oder überschritten wird.

Nicht die Höhe zählt, sondern das Gewicht

Zwanzig Zentimeter Schnee können 6 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen – oder 80. Der Unterschied ist der Wassergehalt.

Das ist die eine Sache, die man über Schneelast wissen muss, und sie erklärt, warum Eigentümer die Lage regelmäßig falsch einschätzen. Man schaut aus dem Fenster, sieht eine Schneehöhe und vergleicht sie mit dem letzten Winter. Das Auge misst aber Höhe, und das Dach trägt Gewicht.

ZustandUngefähre Dichte20 cm entsprechen etwa
Trockener Neuschnee, pulvrigca. 30 – 100 kg/m³6 – 20 kg/m²
Gesetzter Schnee nach einigen Tagendeutlich höherein Mehrfaches
Nasser Schnee, „Pappschnee”am höchstenrund 60 bis 160 kg/m²

Für die Bemessung wird deshalb mit nassem Schnee gerechnet, nicht mit Pulverschnee. Bei nassem Schnee entspricht die Auflast einer Wassersäule von bis zu etwa 20 Zentimetern – also 50 bis 200 Liter je Quadratmeter.

Die gefährliche Lage ist deshalb nicht der Schneesturm, sondern der Regen danach. Eine Schneedecke, die Regen aufnimmt, wird über Nacht schwer, ohne höher zu werden.

Wie die zulässige Schneelast bestimmt wird

Die Schneelast wird nach Eurocode 1, DIN EN 1991-1-3, aus der Schneelastzone und der Geländehöhe des Standorts ermittelt.

Deutschland ist in die Zonen 1, 1a, 2, 2a und 3 eingeteilt, und innerhalb jeder Zone steigt der Wert mit der Höhe über dem Meeresspiegel. Es gibt also keine bundesweite Zahl und keine Zahl pro Stadt – es gibt eine Zahl pro Adresse.

Zur Größenordnung: In Schneelastzone 2 liegt die charakteristische Schneelast bei 0,85 kN/m². Für ein Flachdach wird dieser Wert mit dem Formbeiwert 0,8 multipliziert, was rund 0,68 kN/m² ergibt – also etwa 68 Kilogramm pro Quadratmeter.

Und jetzt wird die Tabelle von oben praktisch relevant: 68 kg/m² sind bei nassem Schnee schon nach ungefähr 20 bis 30 Zentimetern erreicht. Bei trockenem Pulverschnee erst nach weit über einem Meter.

Welche Zone und welcher Wert für Ihr Gebäude gelten, steht in den Statikunterlagen. Wer sie nicht hat, bekommt den Wert über einen Statiker oder eine amtliche Schneelastzonenkarte anhand der Adresse. Das ist keine Sache für eine Faustregel.

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Wann geräumt werden muss

Die Regel lautet: Bei Erreichen oder Überschreiten der rechnerisch angesetzten Schneelast sollte ein Dach geräumt werden.

Das setzt voraus, dass man diesen Wert kennt – weshalb es sich lohnt, ihn im Herbst herauszusuchen und nicht im Januar um 22 Uhr.

Warnsignale, bei denen unabhängig von jeder Rechnung gehandelt werden sollte:

  • Knackende oder knarrende Geräusche aus der Decke
  • Sichtbar durchhängende Decken, Risse im Putz, klemmende Innentüren
  • Verformungen an Unterzügen oder an der Dachkonstruktion
  • Wasser, das im Innenraum ankommt, während auf dem Dach noch Schnee liegt

Bei diesen Zeichen ist der richtige Schritt, das Gebäude oder den betroffenen Bereich zu verlassen und Fachleute zu holen – nicht selbst aufs Dach zu steigen.

Warum Schnee und Entwässerung zusammengehören

Die kritische Kombination auf einem Flachdach ist nicht Schnee allein, sondern Schnee plus zugesetzter Ablauf.

Was dabei passiert, läuft in drei Schritten ab. Erstens: Schnee liegt auf dem Dach und taut von unten an, weil das Dach von innen Wärme abgibt. Zweitens: Das Schmelzwasser läuft zum Ablauf – und findet dort Laub, Eis oder eine Verstopfung. Drittens: Das Wasser staut sich unter der Schneedecke auf und addiert seine Last zur Schneelast.

Und Wasser wiegt erheblich: 10 Zentimeter Anstau auf 100 Quadratmetern sind rund 10 Tonnen. Diese Last kommt zum Schnee dazu, nicht statt ihm.

Genau dafür ist die Notentwässerung gedacht, und genau deshalb ist sie im Winter kein theoretisches Bauteil. Ein Flachdach mit verstopftem Hauptablauf und ohne funktionierenden Notüberlauf ist eine Wanne unter einer Schneedecke. Wie das System aufgebaut sein muss und was dabei häufig fehlt, steht im Ratgeber Dachentwässerung am Flachdach.

Der wirksamste Winterschutz ist deshalb kein Schneeschieber, sondern ein Wartungstermin im Oktober, bei dem Abläufe und Notüberläufe frei sind, bevor der erste Schnee fällt. Das haben wir hier durchgerechnet: Wartungsvertrag für Dach und Fassade.

Unsicher, ob Ihr Flachdach den Winter trägt?

Wir prüfen Abläufe, Notüberläufe, Gefälle und Anschlüsse vor der Wintersaison und sagen Ihnen, wo Handlungsbedarf besteht. → Flachdachabdichtung Frankfurt · Flachdachabdichtung Offenbach · Hanau · Wiesbaden · Darmstadt · Bad Homburg · Rüsselsheim

Wer räumen darf – und wie

Schnee von einem Flachdach zu räumen ist Arbeit auf einem Dach: Es gilt Absturzsicherung, und die Abdichtung darf dabei nicht beschädigt werden.

Warum das nicht die Aufgabe für einen Samstagvormittag ist:

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Absturzgefahr. Eine schneebedeckte Dachfläche verbirgt Ränder, Lichtkuppeln und Dachluken. Die meisten Unfälle auf Flachdächern passieren auf niedrigen Dächern, weil die Höhe unterschätzt wird.

Beschädigung der Abdichtung. Schaufeln mit Metallkante, Spitzhacken und Eispickel sind auf einer Abdichtung tabu – besonders bei Kälte, wenn Bitumen spröde ist. Ein Schnitt in die Abdichtung im Januar bedeutet einen Wasserschaden im Februar.

Ungleiche Entlastung. Eine Fläche einseitig freizuräumen, kann die Lastverteilung verschlechtern statt verbessern. Geräumt wird gleichmäßig.

Die Restschicht bleibt liegen. Man räumt nicht bis auf die Abdichtung, sondern lässt bewusst eine dünne Schicht stehen, die das Material schützt.

Freie Abläufe zuerst. Die wirksamste Maßnahme überhaupt ist nicht, Schnee wegzuschaufeln, sondern die Abläufe und Notüberläufe freizumachen, damit Schmelzwasser abfließen kann.

Was Sie im Herbst erledigen sollten

  • Den Wert kennen: Schneelastzone und rechnerisch angesetzte Schneelast aus den Statikunterlagen heraussuchen
  • Abläufe und Notüberläufe reinigen – vor der Laubzeit, nicht nach dem ersten Schnee
  • Prüfen, ob ein Notüberlauf überhaupt vorhanden ist. Im Bestand fehlt er häufig
  • Anschlüsse und Attika kontrollieren – im Winter arbeitet jede Undichtigkeit durch Frost-Tau-Wechsel weiter
  • Zusatzlasten mitdenken: Eine PV-Anlage bringt 12 bis 33 kg/m² dauerhaft aufs Dach – diese Last kommt zur Schneelast dazu
  • Eine Nummer parat haben, unter der im Januar jemand erreichbar ist

Häufige Fragen zur Schneelast auf dem Flachdach

Wie viel Schnee hält ein Flachdach?

Das hängt von der Statik des Gebäudes ab, nicht von einer allgemeinen Zahl. Bemessen wird nach Eurocode 1 (DIN EN 1991-1-3) über Schneelastzone und Geländehöhe. In Schneelastzone 2 liegt die charakteristische Schneelast bei 0,85 kN/m², für Flachdächer mit Formbeiwert 0,8 rund 0,68 kN/m².

Wie viel wiegt Schnee pro Quadratmeter?

Das hängt vom Zustand ab. Trockener Neuschnee liegt bei etwa 30 bis 100 kg/m³, also rund 3 bis 10 kg/m² pro 10 Zentimeter. Nasser Schnee wiegt ein Mehrfaches: Seine Auflast entspricht einer Wassersäule von bis zu etwa 20 cm, also 50 bis 200 Liter je Quadratmeter.

Wann muss Schnee vom Flachdach entfernt werden?

Wenn die rechnerisch angesetzte Schneelast erreicht oder überschritten wird. Unabhängig davon sofort bei Warnsignalen: knackende Geräusche, durchhängende Decken, Risse im Putz, klemmende Innentüren oder Wasser im Innenraum. Dann den Bereich verlassen und Fachleute holen.

Darf ich den Schnee selbst vom Flachdach schaufeln?

Es ist Arbeit auf einem Dach, mit Absturzgefahr und Risiko für die Abdichtung. Metallkanten und Eispickel beschädigen die Abdichtung, besonders bei Kälte. Wenn geräumt wird, dann gleichmäßig, mit einer schützenden Restschicht und mit Absturzsicherung – und zuerst werden die Abläufe freigemacht.

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Ist Schnee oder Wasser auf dem Flachdach gefährlicher?

Beides zusammen. Schnee taut von unten an, das Schmelzwasser staut sich an einem verstopften Ablauf unter der Schneedecke, und die Lasten addieren sich. 10 Zentimeter Anstau auf 100 Quadratmetern sind rund 10 Tonnen – deshalb ist ein freier Notüberlauf im Winter entscheidend.

Was kann ich vor dem Winter vorbeugend tun?

Abläufe und Notüberläufe reinigen lassen, prüfen, ob überhaupt ein Notüberlauf vorhanden ist, Anschlüsse und Attika kontrollieren und die rechnerisch angesetzte Schneelast des Gebäudes heraussuchen. Ein Wartungstermin im Oktober verhindert den größten Teil der typischen Winterschäden.

Flachdach vor dem Winter prüfen lassen

RAMA Abdichtungstechnik ist Dachdeckermeisterbetrieb in dritter Generation mit Sitz im Otto-Ernst-Weg 3, 65929 Frankfurt-Unterliederbach. Wir prüfen vor der Wintersaison Abläufe, Notentwässerung, Gefälle und Anschlüsse, rüsten fehlende Notüberläufe nach und sind im Schadensfall im Rhein-Main-Gebiet erreichbar.

Erstbesichtigung und Kostenvoranschlag sind kostenlos. → Termin anfragen

Dieser Beitrag ersetzt keine statische Bewertung. Die für Ihr Gebäude zulässige Schneelast ergibt sich aus den Statikunterlagen beziehungsweise einer Beurteilung durch einen Tragwerksplaner.